Deutscher Gewerkschaftsbund

Forderungen des DGB

Das muss sich ändern!

Wir leben heute in der sichersten Bundesrepublik. Und trotzdem ist eine unübersehbare Verrohung der Gesellschaft feststellbar, die sich in den letzten Jahren statistisch durch die hohe Zahl von Gewaltdelikten bemerkbar macht. Immer wieder werden Beschäftigte, die für Sicherheit, Ordnung und öffentliche Dienstleistungen sorgen, bei ihrer Arbeit bedroht, beleidigt und angegriffen. Es gibt kaum eine Berufsgruppe im öffentlichen oder privatisierten Sektor, die nicht betroffen ist. Und damit trifft es in der Regel genau jene Menschen, die selber durch die zunehmende Arbeitsverdichtung aufgrund vorangegangener Sparmaßnahmen schon stark belastet sind.

Wir brauchen Zahlen, Daten und Fakten

Aktuell werden nur im Rahmen der Polizeilichen Kriminalstatistik sowie des Sicherheitsberichtes der Bahn und in Teilen über die Unfallkassen konkrete Zahlen zu Übergriffen und Respektlosigkeiten fundiert erfasst. Das erschwert eine objektive Diskussion über das Ausmaß des Problems. Denn nur wenn nach gleichen Gesichtspunkten in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Sektors Übergriffe erfasst werden, kann man objektiv über das Thema sprechen und Maßnahmen ergreifen. Über die statistische Erfassung hinaus sollte eine Forschungsinitiative zu den Ursachen der Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst gestartet werden.

Personalaufbau und angemessene Ausstattung sicherstellen

Potenziell gefährdete Beschäftigte müssen vor Übergriffen geschützt werden. Ein erster Schritt ist die Sicherstellung einer hinreichenden Personaldecke auf Grundlage seriöser Personalbedarfsanalysen sowie eine moderne Ausstattung der Beschäftigten. Perspektivisch fehlen bis zu 110.000 Stellen im öffentlichen Dienst. Personalaufwuchs hilft Beschäftigten und reduziert Gefahren.

Beschäftigte schulen und Gesundheitsmanagement ausbauen

Um Gefahren erkennen und rechtzeitig handeln zu können, müssen Gefährdungsanalysen durchgeführt werden. Daraus folgend müssen entsprechende Schutzmechanismen entwickelt werden. Dies darf nicht am Geld scheitern. Gefährdete Beschäftigte brauchen darüber hinaus Schulungen zu präventiven Deeskalationsstrategien sowie funktionierende Mechanismen der Nachsorge. Der DGB fordert einen Anspruch auf entsprechende Fort- und Weiterbildungen mit direktem Bezug zum Umgang mit Gewalt. In diesem Zusammenhang ist auch das Gesundheitsmanagement auszubauen, um mit Bedrohungssituationen im Sinne der Nachsorge umzugehen und Beschäftigte nicht alleine zu lassen.

Dienststellen und Führungskräfte sensibilisieren

Die Sicherheit der Beschäftigten muss stärker in den Fokus der Dienststellen rücken. Eine ganz wichtige Funktion in diesem Zusammenhang haben Führungskräfte. Schauen Führungskräfte weg, schleicht sich eine Normalisierung ein. Sie müssen daher dahingehend sensibilisiert werden, dass auch der physische wie psychische Schutz ihrer Beschäftigten zu ihren Aufgaben gehören. Geeignete Maßnahmen zu entwickeln, für deren Umsetzung Sorge zu tragen und regelmäßig Gefährdungsanalysen durchzuführen, ist auch ein Teil von Führung.

Ein öffentlicher Bewusstseinswandel

Auch wenn Bürgerinnen und Bürger häufiger von den Leistungen des Staates enttäuscht und/oder frustriert sind: Die körperliche und seelische Unversehrtheit der Beschäftigten, die für Probleme und Missstände keinerlei Verantwortung tragen, muss im öffentlichen Bewusstsein wieder klar verankert werden.

Mehr öffentliche Investitionen in Infrastruktur

Größere Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit den Leistungen der öffentlichen Hand wirkt sich auch positiv auf die Sicherheit unserer Beschäftigten aus. Deshalb müssen Bund, Länder und Kommunen endlich Investitionsstaus bei Schulen, Bibliotheken, Schwimmbädern, Bürger- und Jugendämtern, Polizeidienststellen, etc. auflösen.

Anzeigen ernst nehmen und verfolgen

Ein wichtiges Zeichen gegenüber Betroffenen, aber auch gegenüber Täterinnen und Tätern, ist es, physische und psychische Übergriffe zu ahnden. Ein dafür geeignetes Instrument können aus unserer Sicht unter anderem die Einrichtung von Sonderdezernaten sein, die sich schwerpunktmäßig mit der Strafverfolgung von Übergriffen auf Beschäftige des öffentlichen und privatisierten Sektors befassen.


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