Deutscher Gewerkschaftsbund

Umfrage

Was sagen die Beschäftigten?

Im Auftrag des DGB hat das uzbonn im Januar 2020 über 2.000 Beschäftigte aus allen Bereichen des öffentlichen und privatisierten Sektors zu ihren Erfahrungen mit Respektlosigkeiten und Gewalt befragt.

Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

dkjlfökm

DGB

  • Das Problem: 67 Prozent der Beschäftigten haben in den letzten zwei Jahren Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Angriffe erlebt.

  • Der Trend: 57 Prozent sagen, die Gewalt hat in den letzten zehn Jahren zugenommen.
  • Die Folgen: Zu den häufigsten Folgen gehören Schlafstörungen und Stress. 30 Prozent werden krankgeschrieben und 15 Prozent brauchen stationäre oder psychotherapeutische Behandlung.

  • Die Dienststellen: 33 Prozent der Betroffenen meldete ihren Vorgesetzten Übergriffe nicht, da sie nicht mit Unterstützung rechneten.
  • Die gesellschaftlichen Ursachen: Über 80 Prozent machen mangelnden Respekt für Mitmenschen und Frust über den Staat für Übergriffe verantwortlich.

  • Die Antwort: 79 Prozent der Betroffenen fordern mehr Schulungen, Sicherheitstechnik und Personal.

  • Art der Übergriffe und Trendveränderung

    Mehr als die Hälfte aller Befragten wurde in den letzten zwei Jahren beleidigt oder angeschrien. Einem knappen Drittel wurde mit Gewalt gedroht. Sogar die seltenste Übergriffsform – Angriffe mit Waffen – hat circa jede und jeder 20te Beschäftigte in diesem Zeitraum bereits erlebt.

    Beleidigung 58,0%
    Anschreien 55,6%
    Androhung von Gewalt 30,0%
    Körperliche Bedrängung 25,7%
    Beschädigung von Eigentum/Arbeitsmitteln 20,6%
    Anspucken 13,0%
    Schlagen/Treten 11,7%
    Sexuelle Belästigung 10,0%
    Veröffentlichung privater Daten 9,6%
    Stalking 8,9%
    Bedrohung mit Waffe (ohne Angriff) 7,4%
    Angriff mit Waffe 4,7%

    Mit 57 Prozent sagen über die Hälfte der Befragten, die Gewalt habe in den letzten Jahren zugenommen. 62 Prozent sehen den Bedarf, die Sicherheit der Beschäftigten zu erhöhen

    Gewalt gegenüber mir, Kolleginnen und Kollegen…
    …hat zugenommen. 57,0%
    …ist etwa gleich geblieben. 40,0%
    …hat abgenommen. 3,0%
  • Folgen

    Sehr viele betroffene Beschäftigte kämpfen nach Übergriffen mit Angst, Stress und Schlafstörungen. Knapp ein Drittel wird krankgeschrieben, rund 15 Prozent benötigen stationäre medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Angesichts der angespannten Personalsituation im öffentlichen Sektor besonders alarmierend: Mehr als ein Drittel wollte als Folge der Übergriffe sogar die Tätigkeit wechseln.

      Insgesamt Länger als 6 Wochen
    Stationäre Behandlung 9,0% 1,8%
    Psychotherapeutische Behandlung 11,9% 5,2%
    Ängste, zur Arbeit zu gehen 26,6% 4,1%
    Krankschreibung 29,4% 4,1%
    Einschränkungen bei der Arbeit 30,1% 5,0%
    Wunsch, die Arbeitsstelle zu wechseln 33,8% 10,3%
    Wunsch, die Tätigkeit zu wechseln 36,4% 9,6%
    Angst und Stress 41,3% 6,9%
    Schlechter Schlaf 57,8% 11,9%

     

  • Umgang in den Dienststellen

    Nur in 66 Prozent der Fälle erfahren Vorgesetzte von Übergriffen. Auch dann fühlen sich viele Beschäftigte von diesen nicht ernst genommen oder erhalten keine passenden Hilfsangebote.

    Erfuhren Vorgesetzte von Übergriffen, dann… Ja Nein
    …fühlten sich Beschäftigte von diesen ernst genommen. 79,4% 20,6%
    …erhielten Beschäftigte von diesen Hilfe und Unterstützung. 73,6% 26,4%
    …erhielten Beschäftigte von diesen passende Hilfsangebote. 62,9% 37,1%

     

    Dienststellen verfügen über Dienstanweisungen oder einen Notfallplan im Fall von Übergriffen
    Ja 51,1%
    Nein oder unbekannt 48,9%

    Aus Resignation unterrichteten 33 Prozent der Beschäftigten ihre Vorgesetzten nicht über Vorfälle.

    Beschäftigte unterrichteten Vorgesetzte nicht über Vorfälle, weil…
    „Dadurch passiert eh nichts, was mir oder Kolleginnen und Kollegen hilft.“ 67,1%
    „Das wird sowieso nicht ernst 4 genommen.“ 54,8%
    „Sowas gehört einfach zur Arbeit dazu.“ 53,5%
    „Über sowas wird bei uns nicht gesprochen.“ 43,2%
  • Ursachen

    Fast alle Beschäftigten vermissen den gesellschaftlichen Respekt gegenüber anderen Menschen und gegenüber Beschäftigten im Dienst der Gesellschaft. Der Rückzug des Staats hat großen Einfluss auf das gestiegene Risikoempfinden: Fehlendes Personal, schlechte Ausstattung, mangelhafter Service und ein hoher Bürokratieaufwand werden häufig als Auslöser für aggressives Verhalten von Bürgerinnen und Bürgerinnen erachtet.

    Worin Betroffene die Ursache für die Gewalt sehen

    In der Gesellschaft mangelt es teilweise an Respekt gegenüber anderen Menschen.

    92,0%

    … gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern des Staates.

    88,3%

    In Teilen der Gesellschaft ist die Hemmschwelle zu aggressivem Verhalten niedrig.

    87,7%

    An Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wird der Frust am Staat/dem System ausgelebt.

    86,2%
    Bürgerinnen und Bürger sind frustriert/aggressiv, weil…
    …es zu wenig Personal gibt. 71,5%

    …der bürokratische Aufwand als zu hoch oder zu kompliziert empfunden wird.

    70,1%
    …ihnen Angebote/Services fehlen. 43,7%
    …Technik und Ausstattung fehlen oder mangelhaft sind. 39,7%
    Beschäftigte sind vom Arbeitgeber nicht genügend in Deeskalationsmaßnahmen unterwiesen worden und reagieren in bedrohlichen/bestimmten/“brenzligen“ Situationen nicht ideal/“falsch“. 28,1%

    Aufgrund hoher Arbeitsbelastung agieren Beschäftigte manchmal aggressiv gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.

    17,7%

     

  • Was fordern die Beschäftigten?

    Beschäftigte wünschen sich eine ganze Reihe an Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Sicherheit, allen voran mehr Schulungen und Notfallanweisungen, mehr Sicherheitstechnik sowie Dienst- und Handlungsanweisungen für Notfälle

    Dienst- und Handlungsanweisungen für Notfälle 83,1%
    Schulungen zu Deeskalationsmaßnahmen 81,8%
    Sicherheitstechnik (z. B. Alarmknöpfe/Personenschleusen) 80,7%
    Mehr Personal 73,5%
    Schutz- und Sicherheitspersonal 71,4%
    Sichere Gestaltung des Arbeitsplatzes 67,4%
    Bessere Arbeitstechnik und Ausstattung 63,2%

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