Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch

Maike, Polizistin in Köln, Landesjugendvorsitzende NRW der GdP

Polizistin. Das war schon immer ihr Traumjob. Für Maike, 26 Jahre jung, gab es nie einen anderen Weg. Die waschechte Kölnerin absolvierte in ihrer Heimatstadt die Ausbildung und fährt nun in der Millionenstadt am Rhein im Wach- und Wechseldienst Streife. Damit gehört die ständige Umstellung zwischen Früh-, Spät- und Nachtschichten zu ihrem Berufsalltag. Genau wie Beleidigungen und Übergriffe. Maike will für mehr Respekt in der Bevölkerung und ein besseres Ansehen des Berufsbildes kämpfen. Schon früh begann sie sich daher in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu engagieren.

Im Wach- und Wechseldienst ist kein Tag wie der andere. Täglich fahren Maike und ihre Kolleg*innen im Streifenwagen durch die Stadt, von Einsatz zu Einsatz. Ob Schlägerei, Körperverletzung, Raub, Taschendiebstahl oder Personenkontrollen: „Der Job ist unglaublich facettenreich“, sagt die Kölnerin. Sie lebt ihren Beruf mit Leib und Seele. Auch wenn Schattenseiten zum Alltag gehören. Schon oft ist sie Opfer von Widerständen geworden. „Bei uns ist alles dabei, von schönen Situationen, in denen man Menschen helfen kann, bis zu kritischen Momenten, die eskalieren können. Polizist zu sein, ist kein normaler Beruf, das ist eine Berufung. Den Job legt man nicht nach Feierabend ab.“

Widerstände gehören dazu

Silvester 2017/2018 wird ihre Streife von einem Krankenwagen gerufen. Die Sanitäter*innen wollen einer betrunkenen Frau helfen. Doch die Situation eskaliert: Die Frau greift die Rettungskräfte an, schlägt um sich, tritt. „Es war schon ein Streifenwagen vor Ort“, erinnert sich Maike. „Aber wir wurden zusätzlich angefordert.“ Als sie am Schauplatz eintrifft, halten ihre Kolleg*innen die Frau bereits fest, um ihre Personalien aufzunehmen und weitere Übergriffe auf die Sanitäter*innen zu verhindern. „Ich wollte bei der Fesselung helfen, die Frau war sehr betrunken.“ Plötzlich tritt diese nach hinten aus, trifft Maike mit aller Wucht direkt in den Unterleib. „An dem Abend bin ich nicht mehr dienstfähig gewesen, auch noch einige Tage danach. Zum Glück sind keine Langzeitschäden zurückgeblieben.“

Anspannung und Ablehnung

Nach solchen und ähnlichen Erfahrungen geht sie kontrollierter an die Sache ran.

„Wir sind definitiv nicht daran interessiert, uns auch körperlich zu wehren. Daher ist das wichtigste Kommunikation – erst einmal beruhigen. Aber oft hören die Leute nicht zu.“

Die Gewerkschafterin muss häufig feststellen, dass schon die Grundstimmung negativ ist. „Die Aggression gegen die Polizei ist hoch, uns schlägt generelle Ablehnung entgegen. Wenn wir auftauchen, werden wir oft erst einmal direkt beleidigt. Da ist es natürlich schwierig, eine Situationen durch Worte zu beruhigen.“ Hier spiele auch mit hinein, welches Bild die Medien von der Polizei zeichnen – der Respekt für Polizist*innen sinke insgesamt immer mehr, konstatiert die junge Kölnerin.

Gut vorbereitet

Umso wichtiger ist eine gute Vorbereitung auf Widerstand – mental und körperlich. In der Ausbildung durchlaufen die Polizist*innen alle Facetten des Jobs. Regelmäßige Trainings festigen Angriffs- und Verteidigungstechniken. „Wir sind so gut vorbereitet, dass wir meistens unbeschadet aus kritischen Situationen herauskommen.“ Auch an sicherer Ausrüstung wird gearbeitet, um die Polizist*innen besser zu schützen: In NRW läuft das Pilotprojekt Bodycam. Die kleine Kamera an der Ausrüstung kann bei Bedarf Bild und Ton aufzeichnen. Dann sieht sich das Gegenüber selbst im Display. In angespannten Situationen wirke dies deeskalierend.

„Die Versuche zeigen, dass die Zahl der Angriffe zurückgegangen ist“, berichtet Maike. „Ich hoffe, die Bodycam wird flächendeckend eingeführt.“

„Es ist nicht mein Job, mich beleidigen zu lassen!“

Die Fähigkeit zur Deeskalation ist für die Polizistin essentiell. Denn endet eine Situation in körperlicher Auseinandersetzung, sieht die Kölnerin sich und ihre Kolleg*innen von der Politik und Justiz im Stich gelassen. „Einmal wurde meinem Kollegen und mir in den Oberschenkel gebissen, wir hatten diverse Prellungen“, erinnert sie sich an einen Übergriff. „Der Kampf dauerte gefühlt ewig. Doch vor Gericht sind wir nicht einmal angehört worden. Der Täter ist mit einer Geldbuße von 250 Euro davongekommen.“ Bei vielen Kolleg*innen sei es noch unbefriedigender: Häufig werden die Verfahren eingestellt. Für die betroffenen Polizist*innen nicht nachvollziehbar.

„Ich frage mich: Was muss denn noch passieren, dass die Täter Sanktionen erfahren?“ 

Auch Beleidigungen wünscht sie sich schärfer geahndet. „Beleidigung ist ein Straftatbestand. Was man sich manchmal anhören muss, entbehrt jeder Vorstellung. Aber vor Gericht heißt es, das ist euer Berufsrisiko.“ Maike kann nur den Kopf schütteln. „Es ist nicht mein Job, mich permanent beleidigen zu lassen!“ Ein Schritt in die richtige Richtung gehe die Justiz nun: Mit dem neuen Gesetz zur Stärkung des Schutzes von Vollzugsbeamt*innen und Rettungskräften werden Widerstände gegen Beamt*innen des Öffentlichen Dienstes schärfer geahndet. „Das ist endlich ein Zeichen von mehr Wertschätzung.“

Polizist*innen sind keine Roboter 

Maike will für mehr Respekt kämpfen. „Hinter jedem Polizisten, Feuerwehrmann oder Rettungssanitäter steckt ein ganz normaler Mensch. Wir sind keine Roboter oder Superhelden, auch wenn wir diesen Job gewählt haben.“ Sie kritisiert den Umgang der Medien mit den Ausschreitungen zum G20-Gipfel. „Die Polizisten haben zwischen 13-Stunden-Einsätzen zum Teil gerade mal zwei Stunden in Turnhallen oder Bahnhöfen geschlafen. Wenn man dann permanent angeschrien, mit Steinen beworfen und beleidigt wird, liegen auch bei uns die Nerven blank.“ Das Thema will die GdP mit der Kampagne „Auch Mensch“ stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Unter www.auchmensch.de machen Maike und ihre Kolleg*innen auf Opfer von Gewalt im Polizeidienst aufmerksam. Sie hofft, dadurch mehr Verständnis und Respekt schüren zu können.

Text und Redaktion: Ines Hammer

Porträts
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Wer heute im öffentlichen und privatisierten Sektor arbeitet, der braucht ein dickes Fell! In kurzen Reportagen berichten Beschäftigte aus den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

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