Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch

Ich bringe dich
sicher ans Ziel.

Und du nennst mich Wichser?

Mitarbeiter der Deutschen Bahn
Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch

Sandro, Zugbegleiter in Leipzig

Sandro lebt seinen Traumjob. Seit 2017 absolviert der junge Mann die Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice bei der DB Regio. Dafür zog der gebürtige Thüringer extra nach Leipzig. Von hier begleitet er nun täglich die Fahrten von S-Bahnen und Regionalzügen zwischen Leipzig und Umgebung, kontrolliert Fahrkarten, gibt Fahrplanauskünfte und hilft den Gästen bei Fragen.

„Ich liebe den Kontakt zu Menschen, fahre schon immer gern Zug“, erzählt der 20-Jährige strahlend. „Darum habe ich mich für diese Ausbildung beworben und bin glücklicherweise direkt genommen worden.“ Sein Beruf macht ihm sichtlich Spaß, er genießt den täglichen Austausch mit seinen Fahrgästen.

Seine Frohnatur lässt sich Sandro auch durch schwierige Fahrgäste nicht streitig machen. Denn mit verbalen Beleidigungen wird er während des Jobs sehr häufig konfrontiert.

„Wenn Fahrgäste kein gültiges Ticket haben und ich dann eine Strafe schreiben muss, wird es manchmal ungemütlich. Oft muss ich mir grobe Beschimpfungen anhören“, so der Auszubildende. „Selbst ein netter älterer Herr, der wirklich ganz seriös wirkte, wurde letztens extrem aggressiv und beschimpfte mich aufs Übelste. Da ist man dann erst einmal perplex.“

Doch gegen Beleidigungen und Beschimpfungen hat Sandro seine ganz eigene Strategie: „Das muss man ignorieren und weglächeln, dann schaukeln sich die Aggressionen der Leute meist nicht weiter hoch. Ich bin ein sehr fröhlicher Mensch, daher gelingt es mir, dann immer noch ruhig zu bleiben.“

Betrunkene und Fußballfans – der Alptraum eines Zugbegleiters

Richtig schwierig wird es vor allem mit Betrunkenen und feiernden Gruppen. Da ist der Ärger oft schon vorprogrammiert. Die Fahrten am Abend oder an Wochenenden sind daher oft mit brenzligen Situationen verbunden. „Fußballgruppen im Zug? Hilfe“, stöhnt der Zugbegleiter halb im Scherz, halb ernst.

„Da bekommt man schon Angst, denn du stehst dem grölenden Haufen alleine gegenüber. Aber man muss ein Machtwort sprechen – auch mit Blick auf die anderen Fahrgäste, denn für die habe ich ja die Verantwortung.“

Stimmung und Lautstärke schaukeln sich bei Gruppen oft schnell hoch. Dann kann Sandro nur den anderen Fahrgästen ein anderes Abteil anbieten und zumindest so die Situation etwas entschärfen. Dieses Vorgehen lernen die Auszubildenden seiner Meinung nach jedoch nicht ausreichend. „Wir bekommen zwar ein Deeskalationstraining während der Ausbildung. Aber das hat nichts mit der Realität zu tun. Wenn es im echten Berufsalltag mal brenzlig wird – darauf bereitet das Training nicht vor. Das bringt dann die Erfahrung.“

Gerade vor diesem regelmäßigen Ärger findet Sandro die Einsatzverteilung der Kolleg*innen von DB Sicherheit verbesserungswürdig. Diese Sicherheitskräfte fahren bundesweit in Zügen mit, um deeskalierend zu wirken und im Notfall einzugreifen. „Aber sie sind auf Strecken präsent, wo eigentlich kaum etwas passiert“, sinniert der Wahlleipziger. „Ich würde mir wünschen, dass deren Einsätze überdacht werden: Wir brauchen die Sicherheitskollegen auf Nachtfahrten, an den Wochenenden und auf Strecken, wo es häufig Zwischenfälle gibt und eskaliert. Also eigentlich immer Samstagnachts auf den Regionallinien.“ Da er selbst weiß, wie schwierig diese Personalfragen oft sind, fände Sandro einen Selbstverteidigungskurs für Zugbegleiter sinnvoll. „Damit würde ich mich in bestimmten Situationen sicherer und besser gewappnet fühlen.“

Zivilcourage gibt es noch

Dass ihm sein Lächeln im Gesicht gefriert, ist zum Glück bislang die Ausnahme für Sandro. „Wenn die Fahrgäste ihre Personalien nicht herausgeben wollen, handgreiflich werden oder anfangen zu randalieren, dann muss ich bzw. der Lokführer aber die Bundespolizei rufen", erklärt der Zugbegleiter. Doch auch in solchen Situationen versucht der Leipziger, die positiven Dinge zu sehen, die ihm begegnen. Die anderen Fahrgäste im Zug, mit denen er in Kontakt kommt und für die er die Verantwortung hat. Und die Menschen, die einspringen und helfen, wenn eine Situation eskaliert. Der Auszubildende hat schon oft erlebt, dass Fahrgäste ihm zu Hilfe kommen. Einmal will Sandro zusammen mit seinem Fahrbegleiter einem betrunkenen und randalierenden Fahrgast den Zutritt zum Zug verwehren. „Der war extrem aggressiv, hat gegen die Tür getreten und drängte schließlich in den Zug“, erinnert sich der junge Mann. Der Fahrgast will den Zugbegleiter schlagen, doch Sandro kann gerade noch ausweichen. Schnell kommen einige Fahrgäste zu Hilfe, so dass sie den Betrunkenen gemeinsam aus dem Zug drängen können. „Es kommt natürlich auf die Konstellation an, aber aus meiner Erfahrung helfen 80 Prozent der Menschen!“ Und darum freut sich der Zugbegleiter, wenn er im Sommer 2020 seine Lehre abschließen und dann auf den Gleisen rund um Leipzig seinem Traumjob leben wird.

Text und Redaktion: Ines Hammer

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